Capsule Hotel, Hiroshima, screenshot, 2019

88 House, Hiroshima, Entrance, 2019

Ryokan, Tokio, screenshot 2019

88 House Hiroshima, Exhibition View, 2019

Capsule Hotel, Tokio, screenshot 2019

88 House Hiroshima, Exhibition View, 2019

ROOMS TO LET / Chapter Three / HIROSHIMA / Juli 2019

Für Chapter Three fahren ROOMS TO LET nach Japan, recherchieren in Hotelzimmern in Tokio und Hiroshima. Poehling und Lüdinghausen fragen nach Nähe und Distanz, Konstruktionen von Orten und Vorstellungen von Körpern und Raum. Wo beginnt persönliches Territorium, wo und wie definiert sich der Raum des Anderen? Im Hotel 88 House Hiroshima schreiben sie sich in das Hotelleben ein, gemeinsam mit ihrer Projektpartnerin Mai Kiyooka. Neben der Zusammenarbeit mit dem Hotel kooperieren Sie mit Studierenden der Hiroshima City University.

 

 

 

 

„Das Ma – vom japanischen Wort für „Haus“ abgeleitet – ist ein uralter Begriff, der die philosophische wie die praktische Bedeutung von  Raum und Zeit umfasst. Es ist eine abstrakte, enigmatische, beinahe religiöse Idee, die sich einer einheitlichen Definition entzieht und sich eher zu einem ganzen Spektrum von verschiedenartigen
Definitionen verfächert. (…)“.

du, Die Kunstzeitschrift, 11/1979

>>MANIFEST auf Japanisch

CHAPTER THREE entsteht in Hotelzimmern in Japan, in Tokio und Hiroshima. ROOMS TO LET fragt nach Konstruktionen von Orten, Grenzen, Territorien, Vorstellungen von Raum. Wo beginnt persönliches Territorium, wo und wie definiert sich der Raum des Anderen? Wie ersetzen Regeln und gesellschaftliche Konventionen reale Grenzen und Wände? Wodurch schaffen und bilden sie neue (Denk-)Räume? Charakteristische japanische Raumformen bieten –nicht nur in Architektur und Philosophie– für Poehling und Lüdinghausen neue Ansatzmöglichkeiten. Wie zum Beispiel die wabenartigen Capsule-Hotels, in denen das Bedürfnis nach eigenem Raum auf ein Minimum reduziert wird oder die traditionellen Ryokans, in denen sich der Ort auch auf nicht-architektonischer Ebene, durch Rituale und Regeln von innen wachsend bildet. In Japan werden die wesentlichen Fragestellungen von ROOMS TO LET so erneut aus einer anderen Perspektive beleuchtet.

Der skulpturale Prozess beginnt bereits lange vor der Ankunft im Hotel. Poehling und Lüdinghausen nähern sich Hiroshima zunächst gedanklich, als einem historischen, politischen Ort, aber auch als Ort der Vorstellungen, Klischees, Geschichten. Durch die Recherche manifestieren sich Themen und Fragestellungen, Konzepte für Arbeiten. Archivmaterialien und bereits entstandene Arbeiten werden neu betrachtet. Wie in den vorherigen Kapiteln werden Poehling und Lüdinghausen über einen bestimmten Zeitraum in ihrem Hotelzimmer leben und arbeiten und dort eine mit dem Ort verwobene, ephemere Installation entwickeln. Neben dem künstlerischen Eingriff in den Hotelraum suchen sie den Kontakt zu Künstler*innen vor Ort (Azusa Sumioka and Mai Kiyooka) und kollaborieren mit Institutionen wie der Hiroshima City University und der Stadtverwaltung von Hiroshima.
Das Konzept von ROOMS TO LET, die Arbeiten des jeweiligen Kapitels auch immer wieder zurückzutragen und mit dem ursprünglichen Lebens- und Produktionsort Hannover zu verknüpfen, hat in diesem Fall besondere Bedeutung. Zwischen den Partnerstädten Hiroshima und Hannover spinnen sich seit über 30 Jahren Stränge des Austauschs und der Kommunikation auf verschiedenen Ebenen. ROOMS TO LET wird dieser Verbindung einen weiteren Faden hinzufügen, gewebt aus der Wahrnehmung des Ortes, persönlicher Geschichte, den künstlerischen Archiven, Fundstücken, Klischees und momentanen Wirklichkeiten.