About

ROOMS TO LET // ABOUT

ROOMS TO LET ist ein Projekt von Mareike Poehling und Andrea v. Lüdinghausen.
Themen sind skulpturale Prozesse, künstlerische Arbeitsbedingungen, Ortlosigkeit und die Transition von Räumen und Territorien. Poehling und Lüdinghausen bearbeiten verschiedene Hotelräume, die als Atelier und Ausstellungsort dienen und passen so den Produktionsort ihrer Produktionsweise an. Anhand von Fundstücken, skulpturalen Elementen, Zeichnungen, Photographien und Video weben die Künstlerinnen ihre eigenen Geschichten in die heterotopen Orte ein.
ROOMS TO LET beinhaltet stets einen Austausch mit Künstler*innen vor Ort. Welche Konzepte und formalen Charakteristika entwickeln diese in den jeweiligen Städten?
ROOMS TO LET arbeitet wie ein Buch, in dem die verschiedenen Stationen der Aufenthalte die Kapitel sind. Aus dem jeweiligen Kapitel ergibt sich das folgende.

 

Transitorische Räume und Essenzen

Irgendwo angesiedelt zwischen unpersönlich und individuell, fremd und eigen, übt der Mythos Hotel eine große Faszination auf Künstlerinnen und Künstler aus. Ob als Bildmotiv, als Arbeitsmaterial oder Ort für psychologische und gesellschaftliche Studien, immer wieder wurden und werden diese halböffentlichen Orte aufgesucht und zum Ausgangspunkt künstlerischer Arbeit gemacht. Auch in Film und Literatur findet sich dieser Topos häufig als genreübergreifender Schauplatz.

Mit dem in mehreren Kapiteln angelegten Projekt ROOMS TO LET fügen Andrea v. Lüdinghausen und Mareike Poehling dieser steten künstlerischen Auseinandersetzung ihr Konzept hinzu, gehen mit ihrem Ansatz aber einen entscheidenden Schritt weiter. Das Hotel ist nicht mehr nur bloßes Sujet oder Inspirationsquell für ein künstlerisches Produkt, es wird zum Dreh- und Angelpunkt ihrer gesamten Kunstproduktion. Hinter dem programmatischen Titel verbirgt sich Ausstellungsreihe, Produktionsort und Arbeitsweise gleichermaßen. Ausgehend von der Erkenntnis, dass das Atelier für ihre prozesshafte und ortsspezifische Arbeitsweise obsolet ist, lösen die Künstlerinnen ihr Studio ab 2017 sukzessive auf. Mit einem radikalen Schritt gleichen sie den Produktionsort in letzter Konsequenz der Produktionsweise an: Nur mit der Essenz ihrer Arbeitsmaterialien ausgestattet, begeben sie sich auf Reisen und beziehen Hotels, Guest Houses oder Pensionen.

Die Arbeit beginnt mit diesen Räumen, die sowohl Form sind als auch Inhalt. Vor Ort spüren die Künstlerinnen den spezifischen Einschreibungen der Gästezimmer nach, um sie mit vorgefundenen Materialien sowie eigenen alten und neuen Arbeiten assoziativ zu transformieren. Fundstücke und Archivmaterial bündeln sich so zu ephemeren, fragilen Installationen, die voller Spannung und Poesie diese Transiträume bevölkern und den vorgefundenen Code temporär überschreiben. Die unterschiedlichen historischen, geografischen und künstlerischen Narrative verschmelzen zu einem überzeitlichen, transkulturellen Erfahrungsraum.

Lisa Felicitas Mattheis